The End

Zum Abschluss zwei Musikalische Beiträge  im Sinne meines verkappten Taoismus  „The END“ …..by Lisa Gerrard von Dead Can Dance ….soll mein musikalischer YIN Beitrag zum Ende der Reise sein.

PROLOG

»Über viele Jahre / unter großen Kosten / reiste ich durch viele Länder / sah die hohen Berge / die Ozeane / nur was ich nicht sah / war der glitzernde Tautropfen / im Gras gleich vor meiner Tür.« 

Sollte es mir jetzt so wie in diesem Gedicht gehen ? Wirklich? Ich wäre mir da nicht so sicher.

Ich bin dankbar dass ich in meinem Leben die Chance hatte so eine Erfahrung zu machen, ein Jahr keine Verpflichtungen zu haben, in keinem Wettbewerb zu stehen, sich keine Gedanken über das Haben machen zu müssen, zu reisen, und über Gott und die Welt nachzudenken. Wobei ich es mir wünschen würde, es vielleicht auch manchmal vermittelt zu haben ….und für mich hoffe ich, dass ich in Zukunft mit „meiner Zeit“ nicht mehr so inflationär umgehen werde….

Stefan Klein:

Das Leben ist wie ein Mosaik, das nur von weitem als harmonisches Bild erscheint. Je genauer man hinschaut, desto mehr Einzelheiten und mit ihnen Unebenheiten treten hervor. Brüche werden sichtbar. Tritt man noch näher, wird offenbar, dass das ganze Bild aus unzähligen Steinchen besteht. Was wie eine Falte in einem purpurnen Mantel aussah, sind in Wirklichkeit rote und blaue Quadrate, die in wildem Muster aneinander stoßen und erst aus der Ferne zu einem gemeinsamen farbigen Leuchten verschmelzen. Und beugt man sich ganz dicht heran, so dicht, dass die Nasenspitze beinahe das Mosaik berührt, ist das Bild verschwunden. Nur noch seine Bestandteile, die schillernden Steinchen, füllen das Blickfeld. Was sie bedeuten, erschließt sich nicht mehr. Jeder Augenblick ist ein Mosaikstein des Lebens –hell oder dunkel, farbig oder matt, golden oder tiefschwarz. Und ähnlich, wie wir ein Mosaik als Bild aus der Ferne betrachten, doch nur selten seine kunstvoll gelegten einzelnen Steine anschauen, sind wir auch blind für den Moment, dem wir alles verdanken. Was man Leben nennt, ist schließlich nichts als eine Versammlung zahlloser Augenblicke.

Die stärkste Macht über das Empfinden der Zeit aber üben wir durch die Aufmerksamkeit aus. Das Zeitgefühl arbeitet eben nicht bloß automatisch, es ist auch eine Leistung des bewussten Verstandes. So können wir steuern, wie lang oder wie kurz wir eine Spanne empfinden wollen. Damit aber, dass wir die Zeit auch zu dehnen vermögen, sind wir wenig vertraut. Doch eben zu wissen, dass solche Momente niemals für immer anhalten, lässt sie nicht nur umso kostbarer erscheinen –es verändert sie auch. Denn wer sich über den Wert eines Augenblicks im Klaren ist, will ihn umso genauer erspüren. Sinne und Gedächtnis sind voll auf Empfang, und jeder Eindruck, den sie aufnehmen, bremst die Zeit, die wir empfinden. Der Effekt wird noch stärker, wenn man die Aufmerksamkeit auf alle auch noch so unscheinbaren Veränderungen richtet, weil das Gehirn aus dieser Information die Dauer erschließt. Unter den vielen Merkwürdigkeiten unseres Zeiterlebens ist diese besonders faszinierend: Gerade das Bewusstsein, dass die Zeit flüchtig ist, verlängert die Zeit.

Die Gelehrten damals quälte nämlich die Frage, wie lange die Auferstehung Jesu gedauert habe. Nach dem Korintherbrief der Bibel verwandelte sich Christi Fleisch schlagartig in reinen Geist. Aber was hat das zu bedeuten? Ein solch bedeutsamer Moment kann ja nicht einfach zwischen Vergangenheit und Zukunft verschwinden, überlegten die Theologen. So verfielen sie auf diese Lösung: Es müsse so etwas geben wie kleinste, nicht weiter teilbare Zeitspannen, und die Auferstehung habe genau eine solche Einheit lang gedauert. Es gebe also Atome der Zeit; Man habe sie sich als winzige Körnchen vorzustellen, und das Partikel, welches wir gerade vor uns haben, sei die Gegenwart. Demnach fließt die Zeit nicht dahin, sie macht winzige Sprünge. Falls es eine Grenze geben sollte, jenseits derer die Zeit nicht weiter zu spalten ist, sind die Forscher noch sehr weit von ihr entfernt. Die Theorie der Quantenmechanik sagt allerdings voraus, dass eine solche Schranke tatsächlich existiert. Sie heißt nach dem Berliner Physiker Max Planck die Planck-Zeit, und weil sie die Grenze darstellt, jenseits derer die Zeit in der Physik ihre Gültigkeit verliert, nennen manche sie auch die »Zeit Gottes«. Die Planck-Zeit liegt in der Größenordnung von 10-43 Sekunden, das ist eine Eins in der 43. Nachkommastelle. Kürzere Ereignisse kann es nicht geben; insofern würde die Zeit tatsächlich in winzige Abschnitte zerfallen.

Was sich gerade vor den  Augen abspielt, blitzt nur ab und an zwischen all diesen Gefühlen und Gedanken auf. So verrinnt die Zeit, ohne dass wir dabei sind. Das Jetzt, das wir mit den Sinnen aufnehmen, bleibt fremd. Viel leichter erleben wir Vergangenheit und Zukunft, die wir uns im Kopf konstruieren. Warum fällt es nur so schwer, einfach nur ein paar Minuten lang auf den Regen zu hören – oder eine Banane zu schmecken?  Wir „ erleben“ eigentlich ständig nicht die Gegenwart sondern immer die Zukunft oder die Vergangenheit. Was nicht alles noch zu erledigen ist, was wir gestern getan haben… aber definitiv nicht das JETZT. Mehr Zeit wollen wir alle haben. Schon die Sprache des Alltags ist verräterisch: Für die Zeit gebrauchen wir Worte aus der Welt der Finanzen. Wir »haben« und »sparen«, »investieren« und »verschwenden« sie. 

Die Schwierigkeit liegt keineswegs darin, dass unsere Zeit knapp ist. Uns macht vielmehr zu schaffen, dass wir es schlecht verstehen, mit dieser Zeit umzugehen.

 

….und „The END by Jim Morrison von den Doors ( wie konnte es auch nur anders sein ) der musikalische YANG Beitrag………..( Have you lived enough to base a movie on ? / Jim Morrison …. )

 

 

EPILOG

Vladimir: So vergeht die Zeit.

Estragon: Sie wäre auf jeden Fall vergangen. 

Vladimir: Ja, aber nicht so schnell. 

…………Samuel Beckett, Warten auf Godot

18 Gedanken zu “The End

  1. Und das Ende unseres Kundschaftens
    Wird es sein, am Ausgangspunkt anzukommen
    Und den Ort zum erstenmal zu erkennen. T. S. Eliot

    Danke das ich dich teilhaben durfte.
    Georg

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  2. Willkommen zuhause. Das mit dem Wetter in der Südsee errinnert mich an das Salzkammergut, da heißt es auch es ist sehr schön, wenn es nicht regnet

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  3. Lieber Christian – heute nochmal reingeschaut; an gar nicht wenig Stellen Tränen in den Augen (aus verschiedenen Gründe) – und: du brauchst definitiv KEINE neue Kamera (spar dir das Geld lieber für deine nächste Reise), die Fotos sind sensationell, ich hoffe den Blog gibt’s demnächst als Fotoband …….

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